Chistiana Schallhorn

Ein Eigentor für homosexuelle Sportler? Christiana Schallhorn über Outings im Profi-Fußball

Unter dem Hauptthema „Ethische Aspekte der medialen Präsentation von Akteursgruppen“ stellte Christiana Schallhorn von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg die Frage, ob Outing im Profi-Fußball ein Eigentor sei. Sport ist ein wichtiger Teil der Kultur, in dem die Heteronormativität als Ideal betrachtet wird. In den Medienberichten spielt die „Hegemonic masculinity“ eine wichtige Rolle, in welcher nicht nur Geschlechterunterschiede in den Vordergrund gestellt, sondern auch die traditionellen Männlichkeitsbilder verstärkt werden. Männer werden hierbei als starke Gladiatoren, Kämpfer und Helden dargestellt. Die Sportler opfern sich sozusagen für ihr Team auf und kämpfen weiter, selbst wenn sie verletzt sind. Das führt zu einer indirekten Stärkung der Heterosexualität, denn es scheint als seien „Hegemonic masculinity“ und Homosexualität inkompatibel. So wird ein schwuler Sportler häufig nicht als männlich genug angesehen, um in einer Autowerbung mitzuwirken. Homosexualität erschwert also die Vermarktungsmöglichkeiten eines schwulen Profisportlers. Im Gegensatz dazu wird bei Profisportlerinnen die Homosexualität eher akzeptiert.

Als Beispiele wurden Profisportler vorgestellt, die sich bereits geoutet haben. John Amaechi, der ehemalige britisch-US-amerikanische Basketballspieler, war 2007 der erste NBA-Spieler, der offen zu seiner Homosexualität stand, auch wenn er zu dieser Zeit nicht mehr aktiv spielte. Anhand von zwei Inhaltsanalysen wurde erarbeitet, dass dieses Outing einerseits eine große Bewunderung auslöste, allerdings auch die Kritik einer Selbstvermarktungsstrategie aufkam, da kurz darauf seine Biografie erschien. Thomas Hitzlsperger outete sich 2014 als erster deutscher Profisportler, vier Monate nach dem Ende seiner Karriere. Die Forschungsfrage, mit der sich Christiana Schallhorn und Anne Hempel beschäftigten, lautete: „Welche Thesen dominieren die Berichterstattung über das Coming-out Hitzlspergers und wie berichten die Medien über dieses Thema?“. Um dieser Frage nachzugehen wurden 56 Artikel analysiert. 90 Prozent der Artikel erschienen bereits in der ersten Woche nach dem Outing. Die Frage kann auf verschiedenen Ebenen betrachtet werden. Auf der Makro-Ebene wird hierbei die Akzeptanz der Homosexualität eines Profisportlers betrachtet, wohingegen auf der Meso-Ebene der Fokus auf der Akzeptanz von Homosexualität im Fußball und auf der Mikro-Ebene auf der Akzeptanz in der Gesellschaft liegt.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Homosexualität bei Profisportlern ein schwieriges Thema ist. Durch oder gerade wegen der Inschutznahme homosexueller Spieler stehen die Sportler immer wieder im Fokus der Medien. In Zukunft kann nur gehofft werden, dass die Medien verantwortungsvoller mit diesem Thema umgehen und den homosexuellen Spielern ihren persönlichen Freiraum lassen. ELISABETH RIEHLE

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