Impressionen

Versagen des Frühwarnsystems aufgrund dominanter Narrative: Eine Analyse mittels Latent Dirichlet Allocation

Unter dem Hauptthema „Verantwortung in der Kommunikation über Risiken“ referierten Karin Boczek und Gerret von Nordheim von der Technischen Universität Dortmund über das Thema „Versagen des Frühwarnsystems aufgrund dominanter Narrative – Eine Diskursfeld-Analyse mittels Latent Dirichlet Allocation“. Mit Hilfe eines unüberwachten Text-Mining-Verfahrens, genannt Latent Dirichlet Allocation (LDA), analysierte eine Forschungsgruppe der Technischen Universität Dortmund die Frage, ob der Wirtschaftsjournalismus frühzeitig vor der Finanzkrise gewarnt hatte. Laut Dean Starkman veröffentlichten Journalisten zwischen 2002 und 2003 insgesamt 737 Artikel über die Immobilienblase und Subprime-Kredite. Nur einige davon fungierten als Warnung. Die Frage, die sich die Forschungsgruppe daher stellte, lautet: Verhindert oder überlagert ein dominantes Narrativ eine effektive Frühwarnung?

Um dieser Frage nachzugehen, wurden Berichte mit Bezug zum Finanzsektor im Umfeld der Krise im Zeitraum von 1994 bis 2014 betrachtet. Als Medien-Grundlage dienten die „Süddeutsche Zeitung“ und das „Handelsblatt“. Als Forschungsergebnis wurde festgestellt, dass das bestehende Narrativ in der Mitte der 2000er Jahre folgendes war: „GreatModeration“ – Die große Beruhigung. Dieses Narrativ ging vom Ende der Wirtschaftskrise, einer niedrigen Inflation und einem stabilen Wachstum aus. Daraus konnte das sogenannte „Great-Moderation-Narrativ“ abgeleitet werden, welches eine Systemkritik und somit die frühzeitige Warnung vor der Krise verhinderte.

Als Fazit bleibt festzustellen, dass es zwar vereinzelte Wahrnehmungen über eventuelle Risikofaktoren im Finanzsektor gab, diese sich aber nicht als Mainstream durchsetzen konnten, da das „Great-Moderation-Narrativ“ dominierte und andere Vorgänge überlagerte. MILENA GAU

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